„Gib auch uns ein großes, ein reines, ein weites und offenes, ja, ein heiliges Herz!“

Die Predigt von Pfarrer Robert Stolzenberger am Findelberg am 13.6.2026:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.

Am Tag nach dem Herz-Jesu-Hochfest feiert die Kirche den Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens. Die Verehrung der Herzen Jesu und Mariens werden nur allzu leicht ins Kitschige und Frömmlerische abgedrängt, in eine fromme Romantik aus vergangenen Jahrhunderten! – Wer jedoch so denkt, der täuscht sich! Seine letzte Enzyklika widmete Papst Franziskus der Herz-Jesu-Verehrung, die er gerade in unserer Zeit wieder bestärken wollte und in der er aufruft, zum Herzen zurückzukehren, in einer Zeit, die Gefahr läuft, das Herz zu verlieren. Es ist uns klar, dass das Herz eines Menschen von größter Bedeutung ist: Wenn es nicht mehr schlägt, ist dieses Leben zu Ende. Wir schätzen einen Menschen hoch ein, der ein gutes oder weiches Herz hat, kein Herz aus Stein, einen Menschen der sein Herz am rechten Fleck hat. Das Herz wird überall sofort als Zeichen für die Liebe erkannt.

Wenn das Herz schon in unserem Alltag für die ganze Person, das Wesen eines Menschen, seine Liebe, Güte, Hilfsbereitschaft steht, wie viel mehr gilt das dann für unseren Herrn und seine und damit auch unsere himmlische Mutter Maria und deren Herzen!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, wenn wir das unbefleckte Herz Mariens verehren und uns dem Schutz dieses Herzens anvertrauen, dann weil wir wissen, dass dieses Herz ein Idealbild für das Herz eines vollendeten Menschen ist: Das Herz Mariens ist unbefleckt; es ist rein, weil in diesem Herzen kein Platz war für Boshaftigkeit und Sünde, für Neid und Missgunst, sondern nur für Gott und die Liebe zu Ihm! Das Herz Mariens zeigt uns, was das Herz eines Menschen alles zu tragen und ertragen vermag! Im Evangelium hörten wir vom Herzen Mariens: Es klingen ihre Freuden und Schmerzen an (Das Suchen und Finden des Sohnes exemplarisch für ihre (7) Freuden und Schmerzen.) Und Maria bewahrte und erwägte alles in ihrem Herzen. Später wird sie den Jüngern ihr Herz öffnen und berichten, was sich ereignet, was sie bewahrt und erwogen hat. So wird es eingeflossen sein in die Hl. Schrift, in die Tradition der Kirche und bewahrt und weitergegeben bis zu uns in dieser Stunde und darüber hinaus. Das Herz Mariens, es schlägt über ihr irdisches Leben hinaus; es ist voller Liebe zu Gott und den Menschen; es ist weit geöffnet und wir alle haben im Herzen unserer himmlischen Mutter einen Platz.

Es trifft sich sehr gut, dass der Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens heuer auf einen 13. und damit auf den Fatimatag fällt: Fatima und die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens sind untrennbar verbunden. Bei der Erscheinung am 13. Juni 1917 in Fatima sagte die Gottesmutter zu Lucia: „Jesus möchte in der Welt die Verehrung meines unbefleckten Herzens verbreiten. Jedem, der diese Verehrung bereitwillig annimmt, verspreche ich das ewige Heil.“ Welch schöne Verheißung auch an uns in dieser Stunde. Und weiter sagte Maria: „Mein unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führt.“ – Was für Lucia gilt, gilt auch für uns! Wir kennen das Wort: jemandem sein Herz öffnen: Das geschieht in Fatima im übertragenen und im wörtlichen Sinn. Sr. Lucia hält fest: „Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau erschien ein Herz, das von Dornen umringt war, die es durchstachen. Wir begriffen, dass es das unbefleckte Herz Mariens war, beleidigt von den Sünden der Menschheit und nach Wiedergutmachung verlangend.“ Acht Jahre später wird Sr. Lucia dieses Herz nochmals sehen, in Pontevedra. Am 10. Dezember haben wir den 100. Jahrestag dieser Erscheinung gefeiert. Sr. Lucia bezeugt: „Die Gottesmutter zeigte ihr Herz, das von Dornen umgeben war: das Jesuskind wies darauf uns sagte: ‚Habe Mitleid mit diesem gütigsten Herzen, das immerfort durch die menschliche Undankbarkeit gemartert wird, ohne dass es jemand mit Akten der Sühne tröstete.‘“ – Und es folgt die Bitte der Gottesmutter, die fünf ersten Samstage (Herz-Mariä-Sühnesamstage) zu halten (Beichte, Kommunion, Rosenkranz und 15 Minuten Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse mit der Absicht, Genugtuung zu leisten), verbunden mit der Verheißung, allen in der Todesstunde mit den Gnaden beizustehen, die zu ihrem Heil erforderlich sind. Nicht zu viel verlangt! Nehmen auch wir es uns zu Herzen. Für uns und die Welt. Der Herr selbst ermutigt uns, das Herz seiner und unserer Mutter zu verehren. Und Maria gibt uns den Rat: „Was er euch sagt, das tut!“. Zögern wir also nicht – es lohnt sich! Der ehrwürdige Diener Gottes, Papst Pius XII., der am 13. Mai 1917 zum Bischof geweiht wurde und auch die ersten Weihen der Welt und Russlands an das unbefleckte Herz Mariens vollzog, führte das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens zunächst für den Oktavtag des Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel ein, vielleicht auch im Blick auf die Verheißung Mariens (vom 13. Juli 1917): „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“.

Die Reform des liturgischen Kalenders führte zur Verlegung auf den heutigen Tag, um die Verbindung der Herzen Jesu und Mariens hervorzuheben. Maria hat in herausragender Weise Anteil am Erlösungswerk Christi. Das Herz des Erlösers begann unter dem Herzen Mariens zu schlagen. Der Herzschlag der Mutter ist eines der ersten Geräusche, die das Kind im Mutterleib wahrnimmt und als beruhigend empfindet; zudem vermag es den eigenen Herzschlag vorübergehend an den der Mutter anzupassen, sodass wir sagen können, dass die Herzen Jesu und Mariens im im Gleichklang schlagen.

Liebe Mitchristen, wir wissen um die Wichtigkeit und die Notwendigkeit einer guten Bildung. Am wichtigsten, aber oft vergessen, scheint mir dabei die Herzensbildung zu sein! Zu Recht beten wir zum Herrn: „Bilde unser Herz nach deinem Herzen“. Getrost dürfen wir das auch im Blick auf das Herz Mariens tun und bitten: „Gib auch uns ein großes, ein reines, ein weites und offenes, ja, ein heiliges Herz!“ Ein solches Herz vermag zu erkennen, was das Auge und bloßer Verstand nicht zu erkennen vermögen. Der Blick auf das unbefleckte Herz Mariens will uns helfen, auch aus unserem Herzen alles zu entfernen, was uns von Gott und voneinander trennt, alles, was unser Herz schwer macht und belastet, all unsere Neigungen zum Bösen, damit wir Platz haben im Herzen: Platz für Gott und den Nächsten!

Machen wir uns zum Schluss ein Gebet des heiligen Antonius von Padua zu eigen, dessen die Kirche heute ebenfalls gedenkt und der selbst ein glühender Marienverehrer war:

Wir bitten dich, du unsere Herrscherin, mach’, dass unsere Herzen, erfüllt von göttlicher Gnade, eine himmlische Weisheit ausstrahlen. Stärke uns mit deiner Kraft und hilf uns in unserem Tugendstreben. Gieße die Gaben deiner Barmherzigkeit über uns aus, damit wir Vergebung unserer Sünden erlangen. Dies alles gewähre uns Jesus Christus, dein Sohn, den du seit der Verkündigung des Engels neun Monate in deinem Leib getragen hast: Ihm sei Ehre und Ruhm für alle Zeiten. Amen.

Text: Pfarrer Robert Stolzenberger
Bilder: FWA Würzburg