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Mit dem jungen Fatimaapopstolat Würzburg unterwegs in der Heiligen Stadt. Ein Reisebericht von Nikolai Püllen

Am Morgen des Ostermontags 2016 sammelte sich vor dem Pfarrhaus von St. Peter und Paul in Würzburg ein wachsendes Trüppchen reisebegeisterter junger Leute, während sich die Sonne bereits von ihrer besten Seite präsentierte. Nach der heiligen Messe, gefeiert von Vikar und Wallfahrtsleiter Christian Stadtmüller, wurde das Gepäck der 24 startklaren Wallfahrer auf drei VW-Busse aufgeteilt und die Reise konnte beginnen. Beim ersten Rosenkranz und Gesängen machte man sich mit seinen Businsassen vertraut, denn nicht alle kamen aus Würzburg und es wurden neue Bekanntschaften geknüpft. Eine große Kennlernrunde gab es dann bei der ersten Pause auf dem Rastplatz „Zugspitzblick“, wo sich ein jeder mit Brötchen und Osterei ausgestattet vorstellen konnte. Bevor man sich an den unterschiedlichsten Picknick-Mitbringseln stärkte, wurde ein erstes Mal in großer Runde gesungen und gebetet. Die neugierigen Blicke vorbeiziehender Touristen sollten ein stetiger Reisebegleiter werden.

Es blieb nicht viel Zeit um Pausen einzulegen und als sich der Rücken gerade beschweren wollte, dass er keine gemütliche Position mehr im Autositz finden konnte, erreichte die Buskolonne das abendliche Padua. Im Hotel „Casa del Pellegrino“ wurde man freundlich empfangen. Nicht nur vom Personal, sondern auch von der 25. Mitreisenden, welche aus Rom angereist war, um die Gruppe nun zu vervollständigen. Das schöne und recht verwinkelte Hotel lag direkt vor der Basilika des heiligen Antonius. Als die Busse ausgeräumt und man sein jeweiliges Zimmer auch gefunden hatte, fand man sich im Speisesaal gegen halb zehn zum ersten gemeinsamen Abendessen ein. Kellner Sergio servierte Pasta, Steak und Salat. Bei Letzterem durften sich die Reisenden in Ihren Dressingzubereitungskünsten behaupten – mit echtem italienischem Olivenöl keine schwierige Aufgabe. Zu später Stunde traf man sich wieder, um bei einem nächtlichen Spaziergang und Rosenkranz den Tag ausklingen zu lassen.

 Nachdem man sich in den gemütlichen Hotelbetten von den langen Autofahrtstunden erholt hatte, ging es um halb acht zur Basilika. Vorbei am Grab des heiligen Antonius versammelte man sich in einer Kapelle, um gemeinsam die heilige Messe zu feiern. Mit äußerst kompetenten Messdienern, geschulten Gesangsstimmen, einer begleitenden Gitarre sowie einem charismatisch zelebrierenden Vikar eine besonders schöne Feier. Als es dem Vikar dann noch gelang, eine Reliquie in seine Hände zu bekommen, die Gruppe damit zu segnen und er im Anschluss zum Frühstücksbuffet des Hotels einlud, wurde klar, dass der Tag nicht besser hätte begonnen werden können. Die im hinteren Teil der Basilika aufbewahrten Reliquien – beispielsweise die Zunge des Antonius – konnten nach dieser morgendlichen Stärkung ebenfalls betrachtet werden. Um sich mit ersten Souvenirs oder ähnlichem zu versorgen, wurde etwas Freizeit veranschlagt. Bei herrlichem Sonnenschein bewegte sich die Gruppe dann zur nicht weit entfernten Basilika „Santa Giustina“ und dem Grab des heiligen Lukas. Wer weiß, auf wie vielen Fotoapparaten asiatischer Besitzer unser dort gesungener Rosenkranz zu finden sein wird? Weiter ging es dann zur „Santuario di San Leopoldo Mandic“. Es blieb nur wenig Zeit, um Grab und Beichtzimmer des beliebten Beichtvaters in Augenschein zu nehmen, da die Gruppe nur kurz vor der Schließungszeit der Kirche eintraf – Glück gehabt Vorsehung!

 Anschließend ging es zurück zum Hotel und gegen Mittag verließen die drei Busse, welche sich durch Funkgeräte sogar kontaktieren konnten – korrekte Bedienung vorausgesetzt – eine der ältesten Städte Italiens. Der erste Bus traf kurze Zeit später in Ravenna ein. Die Insassen stellten jedoch fest, dass der Eintritt in die dortige bedeutende Kirche „San Vitale“ zum einen viel zu teuer war und zum anderen, dass die anderen Busse eine andere Route gewählt hatten. So traf man sich schließlich als vereinte Gruppe bei „Sant'Apollinare in Classe wieder“, wo Kaiser Augustus samt Metallbüffeln bereits auf einen Fototermin warteten. Hier klappte es mit dem Eintritt und man konnte das beeindruckende Mosaik im Inneren der Kirche bestaunen. Die Gruppe ließ hier eines der vielen „Regina Caeli“ erklingen. Die anwesenden Besucher wurden auf den Beginn sogar freundlicherweise hingewiesen, da ein Gruppenmitglied nicht der Verlockung eines frei hängenden Glockenseils widerstehen konnte.

 Nach einer Stärkung durch die in den Bussen nicht zu knapp herrschenden Kuchenvorräten oder kreativen Kompositionen wie Lachsschinken mit sauren Gurken ging es wieder zurück auf die Autobahn. Die Sonne strahlte vom Himmel und ließ die italienische Landschaft in einem besonders schönen Frühlingsgrün erstrahlen. Am späteren Nachmittag tauchte dann linkerhand ein kleines Städtchen auf, das durch seine Lage am Berg und Festungsruine obenauf direkt ins Auge stach – Assisi, Geburtsort des heiligen Franz und der heiligen Klara. Ersterer restaurierte eigenhändig, nachdem es ihm von Jesus aufgetragen worden war, die am Fuße des Monte Subasio gelegene Kapelle „Portiuncula“, über die Papst Pius V. später die Basilika „Santa Maria degli Angeli“ errichten ließ. Hier erwartete die Wallfahrenden nicht nur ein Festival mit tanzenden Franziskanermönchen, sondern auch das italienische Militär, dessen Soldaten auch hier wie vor jedem größeren Bauwerk aufzufinden waren. Vor bzw. in vielen solcher Bauwerke konnte der Vikar mit seinem Wissensschatz die Gruppe mit Hintergründen und historischen Details versorgen.

 Die drei Busse konnten in einem Parkhaus, das in den Berg gebaut wurde, untergebracht werden und über futuristisch anmutende Wege und Rolltreppen gelangte die Truppe in die Stadt, welche wiederum sehr mittelalterlich und zugleich äußerst sauber wirkte. Ein paar Straßen hinauf, kurze Orientierung mit Google Maps und einige Gassen wieder hinunter – so gelangte man schließlich zum „Hotel Pax“, wo der nette Besitzer die Gruppe bereits erwartete. Nach Beziehung der Zimmer sowie einer kurzen Verschnaufpause koordinierte dieser das für alle vorbereitete Abendessen. Bei gutem Wein mit Pasta unterhielt man sich über das bereits Erfahrene und der männliche Teil der Gruppe freute sich besonders über das servierte Bier. Der Tag in Assisi wurde ebenfalls durch einen kleinen Nachtspaziergang beendet, welcher bereits für einen ersten Eindruck der Stadt und Vorfreude auf den nächsten Tag sorgte.

 War es tagsüber schon fast sommerlich warm, so sanken die Temperaturen über Nacht und in den frühen Morgenstunden doch um einige Grade, weshalb man sich morgens meist noch mit Pullover und Jacke auf den Weg machte. Erstes Ziel am Mittwoch war selbstverständlich die Basilika des heiligen Franziskus. Auch dort wurde wieder eine heilige Messe gefeiert, wenn auch nicht am Grab des Franziskus, da die italienische Organisation die Gruppe wohl etwas verplant hatte. Unmittelbar im Anschluss wartete bereits Bruder Thomas vor der Basilika, der die Würzburger und auch eine Münsteraner Gruppe durch Unter- und Oberkirche führte. Er erläuterte einige der zahlreichen Malereien an Decken und Wänden und erklärte, welche Bedeutung diesen innewohnte. Das Erdbeben von 1997 hatte seine Spuren hinterlassen, was den prächtigen Kirchenraum jedoch in keiner Weise schmälerte. Wieder draußen lachte die Sonne bereits wärmend vom Himmel und die mitgebrachten Jacken wurden auf dem Rückweg ins Hotel wieder verstaut. Dort angekommen erwarteten die Wallfahrer Espresso und Osterkuchen. Mit den angebotenen Orangen konnten ohne Orangenpresse jedoch nur wenige etwas anfangen.

 Nun ging es den gleichen Weg wie am vorherigen Abend hinauf in einen höheren Teil der Stadt. Nicht nur das Stadtbild selbst, sondern der fantastische Ausblick luden immer wieder zum Fotografieren ein. Das Ziel war das Kloster „Santa Croce“, in welchem bayrische Schwestern leben. Eine von ihnen beeindruckte die Gruppe, als sie begeistert und überzeugt von Ihrem schlichten Tagesablauf erzählte. In einer anschließenden Fragerunde gewährte sie den Reisenden weitere Einblicke in das tägliche Schwesternleben. Im Anschluss öffnete sie für die Kapelle für die Reisenden und man versammelte sich zum Beten und Singen. Bis zur Mittagszeit stand nun die Zeit zur freien Verfügung und Assisi konnte nach eigenen Wünschen erkundet werden. Zu sehen gab es zahllose Souvenirshops, Cafés, Kirchen oder den ehemaligen Minerva-Tempel, den zu seinen Zeiten schon Goethe auf seiner ersten Italienreise beeindruckte. Auch eine kleine Gasse, die etwas versteckt vorbei an den Soldaten direkt zur Basilika führte, wurde entdeckt und zeigte, dass das italienische Militär noch Sicherheitslücken zu stopfen hat.

 Einige Zeit später traf man sich vor der Basilika – an der nördlichsten Spitze der Stadt –, um zur wahrscheinlich am südlichsten Ende der Stadt gelegenen Kirche „San Damiano“ zu gelangen. Nach einigen Bergaufs und Bergabs, begleitet von weiterhin ungetrübtem Sonnenschein, kam man schließlich an diesem durch das Leben des heiligen Franziskus und der heiligen Klara bedeutend gewordenem Ort an. Anders als die nach Franziskus‘ Tod prächtig ausgeschmückten Kirchen Assisis konnte hier die Einfachheit, welche er lebte, erfahren werden. Hier wurde von der heiligen Klara der Orden der Klarissen gegründet. Im Anschluss an „San Damiano“ wurde von der Gruppe auch die Ihr geweihte Basilika aufgesucht, in der auch das originale bekannte San-Damiano-Kreuz zu sehen war. Ihr dortiges Grab ließ die Reisenden dort in kurzem Gebet verweilen.

 Nachdem man sich mit einem gelato versorgt hatte, wurde auf der „Piazza Santa Chiara“ das Durchzählen eingeführt, um sicherzugehen, dass bei all den zurückgelegten Kilometern auch niemand verloren ging. Nach einigen Versuchen ertönte dann zuletzt auch endlich die „25!“ und es konnte weitergehen. Auch die Kathedrale von Assisi, in der unter anderem eine Ausstellung über den hl. Papst Johannes Paul II. zu sehen war, durfte auf der Route nicht fehlen. Danach ging es dann wieder zurück in die Unterkunft, die Koffer wurden gepackt und zu den im Berg geparkten Bussen gebracht. Wie gewohnt – sicher und zügig – und begleitet von Gebet und Lied brachten uns die jeweiligen Fahrer am späten Nachmittag zum südlichsten der Ziele: Rom, die ewige Stadt und Hauptstadt Italiens.

 "Hat dich etwas gewundert?“, wurde ich gegen Ende der Reise gefragt. Erst im Nachhinein fiel mir ein, dass es tatsächlich „bewundernswert“ ist, dass die gesamte Organisation und der Ablauf der Wallfahrt bei einer so großen Gruppe so außerordentlich gut und reibungslos geklappt haben. Da waren wirkliche Organisationstalente in der Gruppe am Werk! Selbige haben es auch geschafft (da die Gruppe größer war als ursprünglich geplant) auf die Schnelle ein zweites Hotel in Rom aufzutreiben. So fuhr man nach Erreichen des Stadtzentrums erstmalig getrennte Wege und kam schließlich bei dem jeweiligen Hotel an. Nach einer Millimeterarbeit des Einparkens wurde die Gruppe im Hotel nahe dem Petersdom von einer freundlichen Schwester begrüßt. Diese verteilte die Zimmerschlüssel und sprach die altbekannte Rom-Warnung vor Taschendieben aus. Vikar Stadtmüller betonte am Anfang der Wallfahrt, dass bei einer solchen immer Opfer gebracht werden müssten. Durch die Übernachtungsmöglichkeiten wurden diese jedoch nicht erbracht, es waren wirklich sehr gut ausgestattete Zimmer und es fehlte einem an nichts.

 Ein paar Verschnaufmomente später versammelte man sich im Hotelfoyer, um ein erstes Mal in die abendliche Stadt aufzubrechen. Per Linienbus gelangte man weiter ins Zentrum und ein Restaurant zur abendlichen Stärkung wurde ausfindig gemacht. Auch hier enthielt man den übrigen Gästen nicht vor, dass vor dem Essen gesungen und gebetet wird. Belohnt wurde die Gruppe mit großzügig portionierten Aufläufen, Pizzen oder anderen italienischen Feinheiten, um die tagsüber entleerten Kraftreserven wieder aufzufüllen. Selbige wurden jedoch im anschließenden Speed-Sightseeing gleich wieder beansprucht. In Zeitintervallen, die nicht länger als das Backen einer Pizza im Ofen (Umluft) dauerten, wurde zuerst die Fontana di Trevi angesteuert. Nach einem Gruppenbild ging es weiter, vorbei an der populären Eisdiele „Giolitti“…

 Quatsch - natürlich nicht vorbei! Nach einem halbstündigen Aufenthalt waren dann auch alle Gruppenmitglieder mit Schampus- und Nutellaeis versorgt und es konnte weitergehen. Das Pantheon lag ebenfalls an der gewählten Route und über die Piazza Navona ging es dann zur Engelsburg. Von da war es nicht mehr weit bis zum Petersplatz. Dort angekommen trennte sich die Gruppe nach Hoteleinheiten wieder. Natürlich nicht, ohne ein letztes Mal für diesen Tag gemeinsam ein Lied anzustimmen: „Ein Haus voll Glorie schauet.“

 Donnerstag – der Tag, der für die Sieben-Kirchen-Wallfahrt vorgesehen war. Die erste Wegstrecke zu Santa Maria Maggiore wurde noch von einem Linienbus übernommen. Da dort noch nicht alle Hotelgruppen versammelt waren, konnte noch vor Beginn der eigentlichen Wallfahrt dieser ein kleines Sahnehäubchen aufgesetzt werden. Um die Ecke lag nämlich die „Basilica die Santa Prassede“, in der sich die Geißelsäule Jesu befindet. Auch die Kirche „Santa Maria del Perpetuo Soccorso“ lag nicht weit entfernt. Schließlich waren alle Gruppenmitglieder eingetroffen. Diesmal wurde die heilige Messe in der außerordentlichen Form gehalten – wie sich später zeigte, fand dieser „alte Ritus“ Anklang in der Gruppe.

Um 10.00 Uhr – fast redundant zu erwähnen, dass die Sonne nicht im Energiesparmodus schien – startete dann der Fußmarsch. Einige Rosenkranzgesätze später erreichte man dann schon ein wirklich außergewöhnliches Ziel: Die römische Autobahn. Dies war völlig beabsichtigt, da sie im übertragenen Sinne für die industriell geschaffene akribische Eigendynamik des Menschen in seiner frenetisch-diametralen Psychomachie steht. Na gut, eigentlich hatte man sich nur verlaufen. Zurück auf dem rechten Pfad gelangte man also bald zum Checkpoint Nummer zwei – St. Lorenzo, welche aber leider nicht geöffnet war. Also ging es weiter zu „St. Croce in Gerusalemme“, die dritte Kirche, in welcher eine Vielzahl an Reliquien aufbewahrt wurde. Neben Kreuzessplittern, Dornen der Dornenkrone und zwei Nägeln konnte dort auch die Hälfte des Kreuzestitulus betrachtet werden. Nicht weit entfernt lag die Lateranbasilika, die Bischofskirche und eigentliche Kathedrale Roms. Hier traf die Gruppe auf Pater Giancarlo, der die Gruppe für kurze Zeit begleitete. Gleich nebenan befand sich die Kapelle „Sancta Sanctorum“. Erklimmt man die dort befindliche Treppe „Scala Santa“ betend und nur auf Knien, so gewährt die Kirche einem jedem Pilger einen vollkommenen Ablass – vorausgesetzt man wählt die richtige Treppe.

 Da nun eine größere Wegstrecke bevorstand, wurde eine kurze Pause eingelegt, damit jeder seinen Tagesbedarf an gelato decken kann. Eine halbe Stunde später ging es dann Richtung Süden und schließlich erreichten die Wallfahrenden die Katakomben des heiligen Sebastian. „Leider war Kaiser Nero der letzte, der die Christen verfolgte“, verriet uns der dortige Führer, outete sich damit als nicht-Muttersprachler und korrigierte seinen Versprecher alsbald. Nach einer kurzen Pause, die auch mit Gesang gefüllt wurde, ging es einige Kilometer weiter in den Westen. Dort wartete unweit des Tibers die sechste Papstbasilika an diesem Tag – „Sankt Paul vor den Mauern“. Während man auf den Haupteingang zusteuerte, war der Blick meist nach oben auf das prachtvolle goldene Mosaik gerichtet, auf dem unter anderem vier Apostel und Jesus mit Petrus und Paulus zu seiner Seite zu sehen waren. Betrat man dann das Kirchengebäude konnte der Blick gleich oben gelassen werden, da die prunkvoll ausgestatte Decke in vielen Metern Höhe den Betrachter gleich in seinen Bann zog. In der ebenfalls vor Gold strahlenden Apsis stand der Hauptaltar, unter dem sich das Grab des hl. Paulus befindet.

Langsam kam die Frage auf, ob wohl durch das Durchschreiten so vieler heiliger Pforten das Schuldenkonto auch ins Minus geraten könne oder wann der Heiligenschein endlich sichtbar würde. Nach so vielen Eindrücken kirchlicher Baukunst und sinkender Blutzuckerspiegel wurde anschließend ein nicht ganz so sakraler Ort aufgesucht – McDonalds. Auch wenn der Käse auf den von nobler Stifterseite ausgegebenen Cheeseburgern nicht so stark glänzte wie das Gold der aufgesuchten Basiliken, war dies für die meisten doch ein gern gesehener Zwischenstopp. Neue Kräfte geschöpft realisierte man alsbald, dass die letzte Kirche, der Petersdom, schon geschlossen sein würde, hätte man die noch ausstehende Strecke zu Fuß zurückgelegt. Daher entschied man sich für eine recht unterirdische Lösung. Mit der römischen U-Bahn ging es zurück ins Stadtzentrum und den Gruppenmitgliedern stand freie Zeit zur Verfügung, welche zum weiteren Erkunden oder zur Erholung genutzt werden konnte. Das Abendprogramm wies dann gewisse Parallelen zum Vortag auf. Das italienische Restaurant, das einen guten Eindruck gemacht hatte, wurde erneut aufgesucht und da der Gruppe quasi ein eigenes Territorium im Untergeschoss des Hauses zur Verfügung stand, wurde das dem Essen vorangehende Lied nicht zu leise und im Kanon gesungen. Der nächtlichen Sightseeingtour zweiter Teil startete diesmal bei der Trajansäule, ging vorbei am Forum Romanum und endete beim Kolosseum. An diesem Tag wurden über 30.000 Schritte und 24 km zu Fuß zurückgelegt und man freute sich auf eine entspannte Nachtruhe im jeweiligen Hotel.

Aufgrund der Strapazen des vorherigen Tages stand am Freitagmorgen erstmalig langes Ausschlafen auf dem Plan. Nicht. Um halb sieben traf man sich wieder im Foyer des Hotels, um sich dann als gesamte Gruppe vor einem Seiteneingang des Petersdoms zu versammeln. Um kurz vor sieben kam Pater Wolfgang dazu und führte die Truppe vorbei an Security und Schweizer Garde, geradewegs durch die Sakristei und den Petersdom zur ungarischen Kapelle in den vatikanischen Grotten. Während der heiligen Messe, die dort nun gefeiert werden konnte, standen neben den Messdienern auch der heilige Stephan im Altarraum, allerdings aus Bronze. Im Anschluss konnte die siebte der Pilgerkirchen ausgiebig erkundet werden. Der riesige Baldachin, die Statue des heiligen Petrus und seinem abgegriffenen Fuß, die Pieta von Michelangelo und eine weitere heilige Pforte wurden betrachtet, während ringsumher viele heilige Messen gefeiert wurden. Aufgrund der frühen Stunde waren erst wenige Touristen anwesend, was dem riesigen Kirchenraum eine besondere Atmosphäre gab und zum staunenden Verweilen einlud. Wieder draußen war man sich einig, dass nun eine nahegelegene Bar zwecks Frühstück aufgesucht werden müsse. Dort tauschte man sich bei Cornetto und Espresso weiter aus und hatte anschließend noch Zeit, um letzte Souvenirs aus der Ewigen Stadt zu besorgen. Alsbald brach man dann mit den eigenen Bussen wiederum auf, um nun wieder in nördliche Gebiete vorzudringen. Als Mitfahrer des Busses Nummer 1 war man privilegiert, von den Ortskenntnissen des Vikars zu profitieren und an einem kurzen Bonusprogramm teilzuhaben, das unter anderem den Besuch von St. Sabina beinhaltete. Nicht zuletzt aufgrund des herrlichen Blicks des angrenzenden Parks über die Stadt stellt diese Basilika eine der beliebtesten Hochzeitskirchen Roms dar. Der Abstand, der sich aus diesen Aufenthalten zu den anderen Bussen bildete, wurde durch Reisegeschwindigkeiten nahe der Schallgrenze bald wieder aufgeholt.

 Noch nicht von Anfang an geplant, dafür aber umso erfreulicher war die Nachricht, einen kurzen Zwischenstopp in der größten Stadt der Toskana einzulegen. Der Aufenthalt in Florenz bestand zu rund 50 % aus Parkplatzsuche. In der restlichen Zeit konnte der Domplatz samt Kathedrale und Campanile besichtigt werden. Während eines kräftig angestimmten Gesangs inmitten des Touristengetümmels, stimmten weitere italienische Jugendliche mit ein und bedachten die Gruppe mit lebhaftem Applaus. Neben der eindrucksvollen Kuppel von Brunelleschi konnte im Inneren von „Santa Maria del Fiore“ auch der gewaltige Osterschmuck bei den Wallfahrenden punkten. Zeitnah ging es wieder zurück auf die Autobahn, da noch viele Kilometer bis zum nächsten Ziel zurückgelegt werden mussten. Trotz des stetig sinkenden Sauerstoffgehalts im Fahrzeuginneren konnte man sich durch die unterschiedlichsten Lieder bei bester Laune halten. Dennoch war man gegen Abend glücklich, den Bus zu verlassen und den Boden von St. Martin in Passeier in Südtirol zu betreten. Pater Christoph erwartete die Reisenden bereits und hatte ein Restaurant ausfindig gemacht, das auch zu dieser fortgeschrittenen Stunde noch bereit war, die Neuankömmlinge mit guten Pizzen zu versorgen. Ob nach dem im Anschluss angestimmten Gesang noch ein Gast im angrenzenden Hotel weiterschlafen konnte, ist allerdings nicht überliefert.

 Die folgenden Szenen wiesen gewisse Ähnlichkeiten zu Filmen wie „The Fast and the Furious“ auf. Pater Christoph schnappte sich sein Kraftfahrzeug, meinte zwar, dass er uns nun zum Jugendhaus in den Bergen führen wolle, verhielt sich aber eher so, als wollte er die drei nachfolgenden Busse in seiner so geschaffenen Verfolgungsjagd abhängen. Schließlich gelangte man doch noch zur Einfahrt des Jugendhauses „Hahnebaum“, die jedoch eine mittlere Steigung von mindestens 21 % aufwies. „Wir sind ja bestimmt nicht der erste Bus, der hier heruntergefahren ist“, versuchte Vikar Stadtmüller zu beruhigen, worauf aber aus dem hinteren Teil des Busses nur zurückkam „…aber vielleicht der letzte!“

 Punkt Mitternacht betraten 25 Reisende das erst vor wenigen Jahren neu eröffnete Haus der katholischen Jugend Südtirols. War man bislang eine Aufteilung in viele Hotelzimmer gewohnt, so bezog man nun das Zimmer der Männer beziehungsweise das Zimmer der Frauen. Im geräumigen Seminarraum traf man sich wieder, um bei einem bunten Abend mit lustigen Beiträgen und Sekt die Erlebnisse der Fahrt und das Geburtsjubiläum eines darüber sehr glücklichen Mitreisenden zu feiern. Danach stand die Entscheidung zwischen ein paar Minuten mehr Schlaf oder ein Ausklingen des Tages im Partyraum des Hauses den Gruppenmitgliedern offen und von höchster Stelle wurde eine halbe Stunde mehr Nachtruhe zugesagt.

 Der Blick, der sich einem am nächsten Morgen im Tageslicht offenbarte, war schlichtweg überwältigend. Ein gigantisches Tal, klare Bergluft und Natur soweit das Auge reicht zogen den Betrachter in seinen Bann. Der sich an diesem Morgen teilweise nun doch bemerkbar machende Schlafmangel wurde bei einer Dusche mit Wasser, dessen Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt lagen, schnell weggefegt. Einige Teilnehmer waren besonders früh aufgestanden und hatten im nächsten Dorf Einkäufe gemacht, mit denen nun gemeinsam ein großes Frühstück gezaubert wurde. Im Anschluss stand der Großputz des Hauses an, wobei sich wieder der starke Gemeinschaftsgeist der Gruppe zeigte und jeder auf seine Art und Weise mithalf. Zum Schluss glänzte das Haus wie neu, die Busse waren wieder beladen und es ging steil abwärts in den Ort Gomion. Hier liegt eine kleine Lourdes-Kapelle, in der sich die Gruppe kurz zu Gesang und Gebet aufhielt. Anschließend wurden die Busse in St. Leonhard geparkt und in der dortigen Pfarrkirche eine heilige Messe gefeiert. Mehrheitlich wurde sich dabei für die Messe nach außerordentlichem Ritus entschieden. Danach ging es zuerst an den Meraner Bahnhof, um eine Mitreisende für Ihre Heimfahrt zum Bahnhof zu bringen, und dann ins Zentrum des Südtiroler Kurorts Meran. In der Nikolauskirche kam der Gruppe ein Kinderchor beim gewohnten Gesangsvorhaben zuvor, was sie aber nicht davon abhielt, dezent miteinzustimmen. Um Kraft für die letzte Etappe zu tanken, wurden zwei Stunden Mittagspause veranschlagt, die man zum Erkunden des Ortes, zum Genießen der Sonne oder auch regionaler Speisen nutzen konnte. Auf dem Rückweg des Autos entdeckte man eine kleine Fatimakapelle als Teil der dortigen Kapuzinerkirche, wo selbstverständlich ein weiteres „Regina caeli“ erklingen musste.

Über den Brenner ging es dann ins österreichische Territorium, wo man feststellen musste, dass die Supermärkte hier bereits um 18 Uhr geschlossen hatten. Ein letztes Versammeln der Gruppe fand auf einem Rastplatz statt, der sowohl mit den amerikanischen Restaurants „Zur goldenen Möwe“ sowie „Zur goldenen Krone“ ausgestattet war, und somit keine Wünsche offenließ. Nach BigMac und einem spannenden Armdrückwettkampf wurde inmitten der vielen Trucks ein letztes Mal gemeinsam das bereits an vielen Orten auf der Reise zuvor angestimmte Lied gesungen und sich dann verabschiedet. Als die Busse in Würzburg eintrafen, zeigte die Uhr bereits 0:30 – und der Kilometerzähler 2700 km. Die Mitreisenden wurden von den Busfahrern, die in diesen Tagen wirklich hervorragende Arbeit geleistet hatten, gesund und munterüde nach Hause gebracht.

 Diese Tage werden allen Teilnehmern bestimmt noch lange in bester Erinnerung bleiben. Der Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass die Wallfahrt aus so vielen inspirierenden und bereichernden Momenten bestand. Auf viele weitere ebenso großartige Wallfahrten!

 Nikolai Püllen (23) studiert in Münster Chemie. Am Tag vor der Abreise erst sprang er für seinen erkrankten Bruder ein, am letzten Tag konnte die Gruppe mit ihm den 23. Geburtstag feiern.

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